chuppenpanzer

Ein Schuppenpanzer besteht aus einer Jacke, aus grobem Stoff oder Leder, auf welche eine grössere Anzahl von Horn-, Holz-, Stein-, gehärtetem Leder- oder Metallplatten aufgenäht oder aufgenietet sind. Wegen der relativ schlechten Beweglichkeit in der Längsrichtung wurden kurze Ärmel mit Schuppen auf der Aussenseite verwendet oder es wurde gänzlich darauf verzichtet.
Das Ursprungsgebiet des Schuppenpanzers liegt in Asien oder im östlichen Teil Europas.
Zur zeit Alexander des Grossen waren Panzer aus Bronzeschuppen, auf den in dieser Zeit typischen Linotorax aufgenäht, im Gebrauch. Auch auf babylonischen Fresken sind Schuppenpanzer zu erkennen. Über die Skyten, Sarmaten und Daker gelangte der Schuppenpanzer zu den Römern.
Bei den Skyten und Daken bestand der Panzer aus einem Leinenponcho, welcher seitlich mit Schnalen oder Lederriemen verschnürt wurde. Darauf waren rechteckige Schuppen genäht. Die Unterkannte der Schuppen war abgerundet und bedeckte den oberen Teil der darunterliegenden Reihe.
Die Römer übernahmen grösstenteils diese Art, führten jedoch eine entscheidende Verbesserung durch: jede Schuppe wurde mit Hilfe von kleinen Ringen mit der danebenliegenden verbunden, so dass ein horizontales Band entstand, welches mit einem Lederriemen auf der Textilunterlage befestigt wurde.

Römische Schuppen

Von der Form der Schuppen her, gab es bei den Römern zwei Arten von Schuppenpanzer, lorica scuamata (squama = Schuppen) mit den oben beschriebenen, abgerundeten, rechteckigen Schuppen und lorica plumata (pluma = Feder) bei welcher die Schuppen aus dünnerem Metall, mit einem zentralen Kamm, ähnlich dem Kiel einer Feder, bestanden.

Schuppen

Über Byzanz verbreitete sich der römische Schuppenpanzer im Orient, besonders bei den Arabern, Mauren und Sarazenen. In Europa blieb der Schuppenpanzer bis etwa im 14 Jh. im Gebrauch. Danach wurde er immer mehr von anderen Rüstungen verdrängt. Zu letzt wurden Schuppenpanzer von polnischen Husaren, Ende des 13 Jh., getragen.

Bauweise

Von der Anfertigung her, ist der Schuppenpanzer eine der einfachsten Formen von Panzerung. Zu seiner Herstellung und bei Reparaturen werden keine besondere Fachkenntnisse und Werkzeuge benötigt. Es können eine grosse Vielfalt von Materialien verwendet werden, haupsächlich Metall (Bronze und Eisen). Die Grösse der einzelnen Schuppen lag im Allgemeinen zwischen 2,5 - 8 cm Länge und 1-4 cm Breite. Die Anzahl der Löcher zur Befestigung schwankte zwischen 2 und 6.

Schuppenpanzer

Autor Ioan Lupu

 

oat of plates und Brigandiene

Bedingt durch den europäischen Kampfstil, in welchem die Bogenschützen keine besondere Rolle spielten, beherrschten hunderte Jahre die Kettenpanzer das Schlachtfeld. Nach den ersten Auseinandersetzungen mit den Wandervölkern aus Asien, (welche hauptsächlich berittene Bogenschützen den europäischen Armeen entgegensetzten) und dem Aufkommen der Lanzenreiter, sowie den Fortschritten in der Metallverarbeitung, (durch welche es möglich wurde Schwertklingen herzustellen welche Stiche erlaubten ohne das dabei die Kinge brach), wurde es notwendig zusätzliche Schutzmassnahmen zu treffen.
Zu erst wurden nur einzelne Platten auf den Kettenpanzern verwendet. Später, beeinflusst von der römischen lorica segmentata, wurde die sogenannte coat of plates entwickelt. Zum Unterschied von der lorica segmentata, wurden rechteckige Platten auf die Innenseite der Stoff- oder Lederunterlage angebracht.
Die Anzahl der Platten war gering, 8 - 10. Diese wurden so wie bei dem Schuppenpanzer mit Nieten oder Lederriemen befestigt.
Ein genaues Bild über die Verbreitung und das Aussehen der coat of plates vermitteln uns die archäologische Funde bei Visby in Schweden. Nach der Schlacht zu Visby, im Juli 1361, wurden die Gefallenen, wegen einem nur kurzen Waffenstillstand und der Hitze des Sommers, unter welcher die Leichen schnell verwesten, zusammen mit ihrer Ausrüstung begraben. Von den Hunderten bei Visby in drei Massengräbern gefundenen coat of plates, wurden 24 restauriert und nachgebaut. Diese Modelle sind hier zu finden. [2].
Eine genaue Abgrenzung zwischen Brigandiene und coat of plate ist technisch und zeitlich nicht möglich. Mit der Zeit wurden die Platten immer kleiner angefertigt und die Textilunterlage wurde den in Mode befindlichen Kleidungstücken (dem Doublet) ähnlicher. Allgemein wird das Erscheinen der ersten Brigandienen im 14 Jh. angenommen.

Bauweise

Metall oder gehärtete Lederplatten, verschiedener Grössen, wurden mit Hilfe von Nieten auf die Innenseite der Unterlage aus grobem Stoff aufgenietet. Anfangs waren die Nieten in Dreiergruppen, entsprechend den Ecken eines gleichseitigen Dreiecks, angeordnet. (15 Jh.) Später ging man zu einer reihenweisen Anordnung über. Die Köpfe der Nieten waren oft kunstvoll verziert (Rosetten oder Sterne) und nicht selten vergoldet oder versilbert.
In den Körperzonen, welche hohe Mobilität bedurften (Schultern, Wirbelsäule, Bauch) waren die verwendeten Platten kleiner als in den Zonen mit geringerer Mobilität (Brust) wo z. B. nur zwei Platten verwendet wurden.
Die Brigandienen wurden, mit wenigen Ausnahmen, als ärmellose Westen gefertigt und an der Vorderseite mit mehreren Lederriemen und Schnallen verschlossen. Man trug sie auf einem Gambeson und Kettenhemd.
Der gewährte Schutz war besser als bei einem Kettenhemd, aber geringer als bei der Plattenrüstung. Dies wurde aber durch einen höheren Tragekonfort und höhere Mobilität ausgeglichen.
Die einfache Bauweise ermöglichte es dem Träger selber Reparaturen daran vorzunehmen.
Das geringe Gewicht, der gute Schutz bei guter Mobilität, sowie die geringen Herstellungskosten, bewirkten eine schnelle Verbreitung der Brigandiene unter den Fusssoldaten, besonders bei den Bogenschützen und den "Man at arms".
Auch bei dem Adel war die Brigandiene sehr beliebt. Reich verziert, konnte sie bei Veranstaltungen als Schutz gegen Mordanschläge oder bei Reisen gegen Überfällen von Räubern verwendet werden.
Leider gibt es nur wenige bis in unsere Zeit erhaltene Exemplare. Stücke einer Brigandiene aus dem 16 Jh. können in der Waffenkammer von Valletta (Malta) und im Dogen Palast in Venedig (Italien) bewundert werden.

Brigandiene Design Brigandiene