lattenpanzer

Plattenpanzer, Vorder- und Hinteransicht
a. Helm
b. Visier
c. Kinnstück
d. Kehlstück
e. Nackenschirm
f. Halsberge
g. Bruststück
h. Rückenstück
i. Vorder- und Hinterschurz
k. Achselstück
l. Federstifte
m. Ränder der Achselstücke
n. Armzeug, Ober- und Unterarmschiene
o. Elenbogenstück (Elenbogenkacheln)
p. Rüsthandschuhe
q. Haken zum Einlegen der Lanze
r. Schenkelstücke (Dichtlinge)
s. Kniestück
t. Beinschienen (Beinröhren)
u. Schienenschuhe
v. Kettenhemd

Wegen dem geringen Schutz des Kettenpanzers, Stichen und Pfeilen gegenüber, begann man gegen Ende des 13. Jh., Arme und Beine durch Platten aus Stahl zu schützen. Auch die Brust wurde mit einer solchen Rüstung bedeckt, woraus sich im Lauf des 14. Jh. die Plattenrüstung entwickelte, so dass um 1360-1370 die ganze Blechhülle des geharnischten Ritters vollendet war.
Eine vollständige Plattenrüstung bestand am Anfang des 16. Jh. aus folgenden Teilen: Den Hals schützte, die mit dem Helm verbundene, aus mehreren übereinander greifenden Querschienen bestehende Halsberge. Mit der Halsberge hingen die Achselstücke zusammen, an welche sich vorn und hinten gerundete Platten anschlossen, die Vorder- und Hinterflüge. Da der rechte Vorderflug zum Einsetzen der Lanze etwas kürzer war, schützte man die Achselhöhle durch eine mit einem spitzen Stachel versehene Platte, die Schwebscheibe. Die Armschienen bestanden aus dem Ober- und Unterarmzeug und den sie verbindenden, beweglichen Ellbogenkacheln oder Mäuseln. Die Hände wurden durch eiserne Handschuhe, die Henzen, mit mehr oder minder gegliederten Fingern geschützt, die sehr beweglich waren, wie die noch vorhandene "eiserne Hand" des Götz von Berlichingen beweist.
Brust- und Rückenstück des Harnisches waren meist aus je einem Stück geschmiedet und durch Riemen miteinander verbunden. Eine besondere Art, ein aus Schienen zusammengesetztes Bruststück des Harnisches, nannte man wegen seiner Gestalt, Krebs.
Vom Harnisch fiel, zu beiden Seiten über die Oberschenkel, ein aus Querschienen bestehender beweglicher Schurz herab, den man Leib- und Hinterreifen nannte.
Die Bedeckung der Beine zerfiel wie die der Arme in drei Hauptteile: die Oberschenkeldecke (Beintaschen oder Diechlinge), die Kniekachel (genouilliere) oder -Kapsel und die Beinröhren oder Beinschienen, für die Unterschenkel. Daran waren die Eisenschuhe befestigt die, etwa seit 1490, vorne stumpf waren (Bärenfüsse).

Mit Ausnahme des Harnisches, der immer schwerer zum Widerstand gegen die Feuerwaffen aus Eisen geschmiedet wurde, fertigte man, im Lauf des 16. Jh., alle Teile der Rüstung aus beweglichen Schienen an. Bis gegen die Mitte des 16. Jh. wurde die Rüstung ganz aus poliertem Stahl, sogenanntem leichten Eisen, gefertigt. Die erste Hälfte dieses Jahrhunderts war zugleich die höchste Blüte der Plattner- oder Harnischmacherkunst.
Die Plattner versahen Helme und Harnische mit den kunstvollsten Darstellungen in getriebener Arbeit und dekorierten das leichte Eisen durch Gravieren, Niellieren, Tauschieren, Vergolden, Ätzen und Bohren des Metalls. Für solche Prachtrüstungen zeichneten die Plattner entweder selbst die Entwürfe, oder sie liessen diese von Malern anfertigen. Nürnberg, Augsburg, München und Innsbruck waren in Deutschland die Hauptstätten der Plattnerkunst.

Die Rüstung der Pferde, der Rosspanzer war, wie die des Ritters ursprünglich aus Leder, danach aus Kettengeflecht, bis das Streitross gegen Ende des 15. Jh. ebenfalls mit einer vollständigen Plattenrüstung in die Schlacht ging. Die Rüstung bestand aus sechs Hauptteilen, dem Kopf-, Hals-, Bruststück, den beiden Seitenstücken und dem Hinterstück. Die Beine blieben ungepanzert.
Bei Turnieren trug der Ritter häufig über der Rüstung einen Waffenrock aus Samt oder Seide in den Farben seiner Dame, der durch einen schmalen Gürtel zusammengehalten wurde. An einem breiten, reichverzierten Gurt, der Rittergürtel, trug er links das Schwert und rechts den Dolch. Die Halsberge legte der Ritter zuerst an, weil an ihr der Harnisch mit Riemen befestigt wurde. Im übrigen begann das Anlegen der Rüstung an den Füssen, wozu der Ritter der Hilfe des Knappen bedurfte. Der Helm machte den Schluss. Er war mit einem Falz versehen, und dieser verband ihn direkt mit der Halsberge oder dem Ringkragen, so dass der Kopf seitlich bewegt werden konnte. Ferner hatte er Kinnstück und Nackenschirm, ersteres wurde mit einem Haken an der Halsberge befestigt und hielt so den Helm fest. Kinnstück, Mundstück und Visierstück wurden zusammen durch eine Schraube am Helm gehalten und untereinander durch Haken befestigt. Durch unterlassen dieses Einhakens bei einem Turnier kostete Heinrich II., König von Frankreich, am 10. Juli 1559 das Leben.
Eine vollständige Rüstung wog bis 47 kg. Doch sei erwähnt, dass die grössten Rüstungen jener Zeit für kräftig gebaute Männer unserer Zeit erheblich zu klein sind. Mit dieser Rüstung war der Reiter schwer und unbehilflich, die Pferde wegen der zu tragenden Last, zum Chok unfähig und stürzten leicht im Kampf.
Nach der Einführung der Feuerwaffen kamen die Rüstungen nach und nach ausser Gebrauch, da sie gegen Kugeln keine Sicherheit mehr gewährten.